Die Liga versteht sich als internationalistische sozialistische Ordnung, die aus der Erfahrung der klassischen Internationalen gelernt hat, ohne sich einer von ihnen vollständig zu unterwerfen. Ihr politisches Selbstverständnis wurzelt im revolutionären Bruch mit dem Kapitalismus, lehnt jedoch sowohl das Parteimonopol der Komintern-Tradition als auch den staatsfeindlichen Dogmatismus radikaler Anti-Staatsmodelle ab. Revolution wird nicht als permanenter Zustand begriffen, sondern als abgeschlossener Legitimationsbruch, aus dem eine neue Ordnung hervorgegangen ist, die sich bewähren muss.
Der Staat ist in diesem Verständnis kein historisches Endziel und kein ideologischer Träger von Wahrheit, sondern ein funktionales Instrument kollektiver Handlungsfähigkeit. Seine Legitimation ergibt sich nicht aus Doktrin oder Tradition, sondern aus Leistung, Kontrolle und Begrenzung. Institutionen sind notwendig, aber nicht heilig; sie können reformiert, umgebaut oder aufgehoben werden, wenn sie ihren Zweck verfehlen. Kritik am Staat gilt nicht als Systemfeindschaft, sondern als integraler Bestandteil politischer Stabilität.
Entsprechend ist die Liga kein Einparteienstaat. Sie ist föderal organisiert, verfügt über ein Zweikammersystem und erlaubt politischen Wettbewerb zwischen mehreren Parteien, die sich sämtlich im kommunistischen oder sozialistischen Spektrum bewegen. Der politische Konflikt findet innerhalb des sozialistischen Rahmens statt, nicht zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Unterschiede bestehen in Fragen der Staatsrolle, der föderalen Balance, der wirtschaftlichen Organisation und der internationalen Ausrichtung, nicht jedoch in der grundsätzlichen Ablehnung kapitalistischer Eigentums- und Machtverhältnisse.
Internationalistisch bleibt die Liga ausdrücklich. Sie versteht Internationalismus jedoch nicht als Missionszwang oder Exportdoktrin, sondern als solidarische Kooperation souveräner sozialistischer Ordnungen. Unterstützung anderer Bewegungen ist möglich, aber nicht verpflichtend und nicht bedingungslos. Einheit entsteht nicht durch Disziplin oder Gleichschaltung, sondern durch gemeinsame Interessen, Verfahren und gegenseitige Anerkennung. In diesem Sinne steht die Liga bewusst in Spannung zu kominternistisch geprägten Modellen wie Andro, die den Staat als ideologischen Träger und den Internationalismus als Blockdisziplin begreifen.
Ideologisch lässt sich die Liga am ehesten als ein post-kominternischer Nebenarm der Vierten Internationale verstehen, eine Weiterentwicklung, die deren Kritik an Bürokratie und Machtkonzentration aufnimmt, ohne in staatsfeindliche oder dauerhaft revolutionäre Positionen zu verfallen. In diesem Sinne ist die Bezeichnung „4,5“ mehr als ein Scherz: Sie markiert einen bewussten Bruch mit der Erstarrung der Komintern ebenso wie mit der politischen Unfähigkeit zersplitterter Anti-Staatsbewegungen. Die Liga beansprucht damit keinen ideologischen Alleinvertretungsanspruch, sondern einen eigenständigen, lernfähigen sozialistischen Weg.
Doktrindokument
Die Liga Freier Republiken begreift sich als Ergebnis eines bewussten historischen Bruchs mit kapitalistischen und imperialen Ordnungen, ohne sich der Illusion einer abgeschlossenen oder perfekten Gesellschaft hinzugeben. Ihre Verfassung begründet keinen Endzustand, sondern eine handlungsfähige Ordnung, die sich aus Verantwortung, Erkenntnis und gemeinschaftlicher Praxis legitimiert. Revolution ist in diesem Verständnis kein fortdauernder Ausnahmezustand, sondern der Ursprung einer neuen Legitimation, aus der sich Stabilität, Planung und institutionelle Bindung ableiten.
Der Staat der Liga ist weder Selbstzweck noch ideologischer Träger absoluter Wahrheit. Er ist ein funktionales Instrument kollektiver Organisation, geschaffen zur Sicherung des Gemeinwohls, zur Koordination gesellschaftlicher Kräfte und zur Wahrung der Würde aller Menschen. Seine Legitimation ergibt sich ausschließlich aus seiner Leistung, seiner Begrenzung und seiner Kontrolle. Staatliche Macht wird nicht verleugnet, sondern sichtbar gemacht, strukturiert und gebunden. Institutionen besitzen keine Heiligkeit aus sich selbst heraus; sie sind dem Zweck untergeordnet, dem sie dienen sollen, und können verändert oder aufgehoben werden, wenn sie diesen Zweck verfehlen.
Die politische Ordnung der Liga beruht ausdrücklich nicht auf einem Parteimonopol. Die Verfassung anerkennt den inneren Pluralismus des Sozialismus als notwendige Bedingung seiner Lebendigkeit. Politischer Wettbewerb findet innerhalb eines klar definierten sozialistischen Rahmens statt, der kapitalistische Herrschaftsverhältnisse, imperialistische Machtpolitik und die Auflösung der republikanischen Einheit ausschließt. Parteien unterscheiden sich nicht in der Frage, ob der Sozialismus verwirklicht werden soll, sondern darin, wie er praktisch, institutionell und gesellschaftlich gestaltet wird. Konflikt ist damit kein Zeichen von Schwäche, sondern ein regulierter Bestandteil sozialistischer Ordnung.
Der föderale Aufbau der Liga dient nicht der Auflösung staatlicher Einheit, sondern ihrer Stabilisierung. Die Republiken Ashokastan, Nerlant und Arwilla sind keine souveränen Gegenstaaten, sondern funktionale Träger unterschiedlicher historischer, kultureller und organisatorischer Ausprägungen innerhalb einer geteilten Republik. Föderalismus bedeutet in der Liga nicht Konkurrenz der Teile, sondern Arbeitsteilung innerhalb eines gemeinsamen politischen Willens. Einheit entsteht nicht durch Gleichschaltung, sondern durch Verfahren, Koordination und gemeinsame Verantwortung.
Internationalistisch versteht sich die Liga nicht als Missionsmacht, sondern als solidarischer Akteur in einer pluralen sozialistischen Welt. Sie erkennt an, dass sozialistische Ordnungen unterschiedliche Formen annehmen können, ohne ihre Legitimität zu verlieren. Internationale Solidarität ist für die Liga Verpflichtung, aber kein Disziplininstrument. Unterstützung anderer Staaten, Bewegungen oder Gesellschaften erfolgt nicht aus ideologischer Pflicht, sondern aus gemeinsamer Interessenlage, geteilter Verantwortung und realer Möglichkeit. Die Liga lehnt sowohl imperialen Export von Ordnung als auch isolationistischen Rückzug ab.
In der Tradition der sozialistischen Internationalen verortet sich die Liga bewusst jenseits der klassischen Linien. Sie übernimmt die internationale Perspektive der frühen und vierten Internationalen, weist jedoch den Parteizentralismus und Wahrheitsanspruch der Komintern ebenso zurück wie die staatsfeindliche Unfähigkeit dauerhaft revolutionärer Modelle. In diesem Sinne kann sie als post-kominternischer Nebenarm einer weiterentwickelten Vierten Internationale verstanden werden – eine Ordnung, die aus den Fehlern des 20. Jahrhunderts gelernt hat, ohne den Anspruch auf gesellschaftliche Transformation aufzugeben.
Die Doktrin der Liga erhebt keinen Anspruch auf universelle Gültigkeit. Sie versteht sich als historisch gewachsene, überprüfbare und korrigierbare Grundlage politischen Handelns. Ihre Stabilität beruht nicht auf ideologischer Reinheit, sondern auf der Fähigkeit, Widerspruch, Wandel und Verantwortung miteinander zu verbinden. Die Liga schützt sich selbst nicht aus Angst, sondern aus Pflicht – und sie handelt nicht im Namen einer abstrakten Zukunft, sondern im Dienst der lebenden Gesellschaft.