Fenna steht für etwas, das in Irkanien als selbstverständlich gilt und deshalb selten laut beworben wird: tägliche Versorgung ohne Brüche. Der vollständige Name, Fenna Versorgungs- und Lebensmittelwerke der Freien Republik mbH, taucht auf Verpackungen und Verträgen auf, im Alltag spricht man schlicht von Fenna. Und fast jeder weiß, was gemeint ist.

Fenna ist der führende Lebensmittelkonzern der Republik und verantwortet große Teile der Grundversorgung. Dazu gehören haltbare Lebensmittel, Tiefkühlprodukte, Konserven, Babynahrung sowie die systematische Belieferung von Schulen, Kliniken und öffentlichen Einrichtungen. Anders als viele andere Megakonzerne tritt Fenna nicht technisch, ideologisch oder machtbewusst auf, sondern bewusst nahbar. Herkunft, Verarbeitung und Logistik werden offen kommuniziert, die Zusammenarbeit mit regionalen Landwirtschaftsbetrieben ist kein Marketingbegriff, sondern strukturelle Grundlage des Konzerns.

Wenn in Irkanien der Satz fällt, niemand müsse hungern, dann folgt oft fast beiläufig der Zusatz, dass Fenna daran einen erheblichen Anteil habe. Das Unternehmen ist kein Symbol für Überfluss, sondern für Verlässlichkeit.

Geleitet wird Fenna von Lyska Haraldadottr Terne, geboren am 10. Mai 1981 im Distrikt Mitte, Angehörige des Klans id hifni. Ihr Ruf als „Mutter der Versorgung“ ist weniger Pathos als Beschreibung. Lyska kommt aus der Ernährungstechnologie und Sozioökonomie und leitete vor ihrer Zeit als CEO die Katastrophenernährungseinheit beim Roothamar. Diese Herkunft prägt ihren Stil bis heute. Sie meidet politische Bühnen, tritt selten in Talkformaten auf und spricht lieber auf Fachmessen, in Schulküchen oder bei Gemeinschaftsessen. Ihr Credo „Jeder Teller zählt“ ist kein Leitspruch für Plakate, sondern eine Arbeitsmaxime, die ihr vor allem in ländlichen Regionen große Anerkennung eingebracht hat.

Der zweite Blick

Wer Fenna nur aus der Perspektive der Versorgung betrachtet, übersieht eine zweite Ebene. Hinter Lyskas ruhiger, beinahe volksmütterlicher Präsenz steht eine hochgradig disziplinierte Machtpolitikerin. Versorgung ist für sie nicht allein humanitäre Pflicht, sondern ein strukturelles Instrument. Nahrung erzeugt Stabilität, Verlässlichkeit schafft Loyalität, und Kontrolle über Lieferketten erzeugt Ruhe.

Geprägt wurde diese Haltung während ihrer Jahre bei der Katastrophenernährungseinheit des Roothamar. Dort lernte sie, dass Moral nur funktioniert, wenn Logistik funktioniert – und dass ethische Prinzipien ohne operative Durchsetzbarkeit leer bleiben. Hunger ist für sie kein abstraktes Leid, sondern eine Variable. Und Variablen lassen sich steuern.

Lyska ist nicht grausam, aber kompromisslos. Entscheidungen trifft sie ruhig, ohne Pathos, und setzt sie ohne Verzögerung um. Interne Gegner werden nicht offen bekämpft. Sie verlieren Zuständigkeiten, ihre Projekte werden neu priorisiert, Budgets verschoben, Lieferketten angepasst. Alles sachlich begründet, alles nachvollziehbar, alles unumkehrbar. Wenn Widerstand auffällt, ist er meist bereits wirkungslos.

Ein intern häufig zitierter Satz von ihr bringt diese Haltung auf den Punkt:
„Niemand soll hungern. Aber niemand soll vergessen, wer das verhindert.“

Ihr Führungsstil folgt derselben Logik. Nach außen wirkt sie warm, ruhig und zugewandt, nach innen klar strukturiert und strikt. Besprechungen verlaufen leise, oft fast gemütlich. Tee steht auf dem Tisch, einfache Speisen, gedämpfte Gespräche. Sie stellt scheinbar harmlose Fragen, hört aufmerksam zu und zieht präzise Schlüsse. Wer sie unterschätzt, verliert Einfluss, ohne genau benennen zu können, wann es passiert ist.

Lyska bevorzugt indirekte Machtmechanismen. Lieferverträge ersetzen Drohungen, Kooperationen ersetzen Befehle, Abhängigkeiten ersetzen offene Konflikte. Fenna tritt nie aggressiv auf – und ist gerade deshalb durchsetzungsfähig. Wo andere Macht zeigen, schafft Fenna Notwendigkeit.

Produkte und Struktur

Die Produktpalette von Fenna folgt diesem Ansatz konsequent. In der Grundversorgung arbeitet der Konzern eng mit dem NatAr zusammen und stellt subventionierte Lebensmittelpakete bereit. In jeder Provinz existieren regionale Verarbeitungszentren, um Transportwege kurz zu halten und Abhängigkeiten zu vermeiden. Programme wie die „Tagesration Plus“, die über das IRK-Net bestellt werden kann, richten sich gezielt an Schulkinder und ältere Menschen.

In der eigentlichen Lebensmittelproduktion reicht das Angebot von klassischen Konserven wie Jadarischem Eintopf, Hallvard-Bohnen oder Sumrhizer Fischsuppe über Tiefkühlgerichte mit sehr langer Haltbarkeit bis hin zu Brot- und Teigwaren aus lokalem Mehl. Ergänzt wird dies durch spezialisierte Diätlinien für Militär, Senioren und besonders belastete Arbeitsbereiche. Im Getränkesektor vertreibt Fenna Fruchtsäfte unter dem Label „Rekza Press“, arbeitet im Molkereibereich eng mit landwirtschaftlichen Genossenschaften zusammen und beliefert öffentliche Einrichtungen häufig mit der staatlich zertifizierten Wassermarke „Fjarvatn“.

Darüber hinaus unterhält Fenna mehrere Sonderbereiche. Notfallnahrung für Krisen- und Katastrophenfälle wird zentral gelagert und regelmäßig rotiert, etwa in Midgardia. Zu hohen Feiertagen erscheinen begrenzte Kulturspeisenlinien, darunter Julkekse, Samhain-Braten oder Beltane-Suppen. In Kooperation mit Zenthera entstehen zudem nährstoffoptimierte Spezialnahrungen für Pflege- und Betreuungseinrichtungen.

Gesellschaftlich positioniert sich Fenna bewusst zurückhaltend, aber klar. Vertragslandwirtschaft ohne patentiertes Saatgut ist ein bewusstes Gegenmodell zu anderen Akteuren im Markt. Verpackungen folgen strengen Mehrweg- und Pfandsystemen, Müllvermeidung ist Teil der Kalkulation. Parallel investiert der Konzern stark in Ausbildungsprogramme für Jugendliche in Lebensmitteltechnik und Logistik, nicht aus Imagegründen, sondern um langfristig Know-how im Land zu halten.

Hauptsitz und Arbeitskultur

Rechtlich verfügt Fenna über anerkannte Exterritorialität. Konzernflächen, operative Zonen und logistische Infrastruktur gelten als eigener Rechtsraum, staatlicher Zugriff erfolgt ausschließlich in abgestimmten Verfahren. Diese Sonderstellung wird selten thematisiert, aber konsequent genutzt, um Abläufe unabhängig und stabil zu halten.

Der Hauptsitz des Konzerns befindet sich in Irkania-Stadd, abseits des Regierungsviertels, in einem ruhigen, gut erschlossenen Stadtbereich mit viel Grün und niedriger Bebauung. Das Fenna-Haus wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Heller Stein, Ziegel, Holz und zurückhaltende Glasflächen prägen den weitläufigen Komplex. Keine Höhe, keine Dominanz, alles ist auf Nähe und Dauer ausgelegt. Der Bau stammt in seiner Grundstruktur aus dem späten 20. Jahrhundert und wurde mehrfach erweitert, ohne seinen Charakter zu verlieren. Neues fügt sich an, statt herauszustechen.

Die Innenräume sind hell, ruhig und sauber. Warme Farben, Holzoberflächen, matte Beleuchtung. Flure sind breit, Türen klar beschriftet, Abläufe verständlich. Es riecht nach Kaffee, Papier und gelegentlich nach warmem Essen aus der Versuchsküche. Fenna zeigt hier bewusst, womit gearbeitet wird. Lebensmittel sind kein abstraktes Produkt, sondern präsent. In öffentlichen Bereichen hängen sachliche Fotografien von Feldern, Höfen, Produktionslinien und Schulküchen. Keine Hochglanzbilder, keine Inszenierung. Die Botschaft ist eindeutig: Das hier ist Alltag, und Alltag muss funktionieren.

Hinter dieser Ruhe verbirgt sich ein hochpräzises logistisches Nervenzentrum. Lieferketten, Vorräte und Notfallpläne werden hier koordiniert. Fenna ist kein Konzern der Geschwindigkeit, sondern der Verlässlichkeit.

Das Büro von Lyska Haraldadottr Terne liegt im Hauptgebäude, ohne Abschottung, ohne Inszenierung. Der Weg dorthin führt durch normale Verwaltungsflure. Der Raum selbst ist großzügig, aber nicht prunkvoll. Große Fenster öffnen den Blick in einen begrünten Innenhof, Pflanzen stehen nicht als Dekoration, sondern als Selbstverständlichkeit. Der Schreibtisch aus massivem Holz ist klar strukturiert, Technik tritt in den Hintergrund. Ein Telefon, ein Tablet, Papiermappen. Besucherstühle sind bequem, Gespräche dürfen dauern.

An den Wänden hängen keine Auszeichnungen. Stattdessen finden sich gerahmte Lieferverträge aus Krisenzeiten, alte Notfallpläne und eine handgezeichnete Karte der regionalen Verarbeitungszentren. Zeugnisse davon, dass Fenna da war, als es darauf ankam.

Lyska sitzt meist ruhig, leicht nach vorn geneigt, die Hände gefaltet oder locker auf dem Tisch. Sie lächelt viel, spricht leise und bestimmt. Entscheidungen entstehen hier nicht durch Druck, sondern durch Selbstverständlichkeit.

Das Büro wirkt nicht wie der Sitz einer Machtfigur.
Und genau das ist der Punkt.